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Donnerstag, 15. August 2024

Poolverine

 


Während der Lack des MCUs in letzter Zeit schon etwas am bröseln ist, lagen meine Hoffnungen im dritten Teil der Deadpool- Reihe. Aber, kann Wade Wilson innerhalb von Disney/Marvel funktionieren? Mit der Aussicht auf ein Teamup mit Wolverine war die Vorfreude noch größer. Hat man doch Hugh Jackman aus der Logan- Rente geholt und zurück ins Fitnessstudio geschickt.  Aber in Anbetracht der letzten Kinoereignisse ( Guardians of the Galaxy Vol. 3 einmal ausgenommen) schwang trotzdem ein leicht mulmiges Gefühl mit. Denn von Ant-Man bis The Marvels, war der Popcorneimer ehr zum Brechen da.

Doch zum Glück ist Ryan Reynolds ein Mann der Überzeugung und getreu dem Motto "Ganz oder gar nicht" hat der seinen Söldner mit der großen Klappe auf Disney losgelassen.

Und das hat sich gelohnt. Nicht nur schlägt der Film ein wie eine Bombe und konnte sogar die Milliarde knacken, er hat außerdem neue Begeisterung für Superheldenfilme erzeugt oder totgeglaubte wiederbelebt. Man zwängte Wolverine ins längst überfällige gelbe Outfit und brachte sogar N'SYNC wieder ins Gespräch. 

Auch mit dem Konzept des Multiversums wurde wieder herumgespielt und das diesmal unterhaltsamer, als im zweiten Dr. Strange. Doch so richtig im MCU ist Pool nicht angekommen, sondern eher in einer sicheren Zone, wo er vermutlich wenig bis gar keinen Schaden anrichten kann. Sein Universum ist als filmische Gummizelle zu verstehen, in der Wade Wilson zwar tun und lassen kann, was er will, in das 616 Universum unserer MCU Avengers darf er dennoch nicht. 

Was ein wenig nach Reservebank anmutet, gibt Ryan Reynolds dafür aber genügend Narrenfreiheit, Disney bei jeder Gelegenheit zu piesacken und so nebenbei auch noch den pre MCU Filmen mit Marvel- Lizenz einen hübschen Schlussstein zu setzen. Dabei wirkt es natürlich nicht nur nach einem "Memberberry- Kuchen" in dem unzählige "Kennste; kennste, wah?!" Momente und Figuren ihr Stelldichein geben, sondern es gibt auch versöhnliche Momente mit längst eingestampften Franchises zu feiern. 

Sicher ist Deadpool 3 kein Meisterwerk des Erzählkinos aber das hatte eh niemand vorausgesetzt. Der rote Söldner hat abgeliefert und geschafft, was Disney Plus schon seit einiger Zeit zerstört hat: das Interesse an Superhelden.

Danke Deadpool!

 



Montag, 17. Juni 2024

Schöne neue Kino- und Serienwelt




Es ist schwer, dieser Tage noch Begeisterung für etwas aufzubauen, was man aus Kindheitstagen kennt. Die Neue Star Wars Serie zum Beispiel: was man darüber hört und liest, bestätigt meine Befürchtungen, dass es mit unserer Unterhaltungswelt eine Richtung annimmt, die nicht mehr für mich gemacht ist. Doch fassen wir die Probleme in ein paar Punkten zusammen.


1. Inhalte sind nur noch für wenige gemacht

Das ist einfach zu erklären. Wenn ich künftig nur noch Figuren aus ethnischen Minderheiten präsentiere, die auch noch der LGBTQ Community angehören, ist das schön, für jene, die diesen Kreisen angehören, dem Rest fehlt es an Identifikation. Dumm ist dann nur, dass die Medienmacher bewusst eine Minderheit ansprechen, dann aber erwarten, dass die Mehrheit geschlossen zusieht. Diese Rechnung geht dann natürlich nicht auf, was sich dann in den Zuschauerzahlen widerspiegelt. Kriminell wird es dann erst recht, wenn die Macher eines Films oder einer Serie bereits im Vorfeld sagen, für wen ihr Kunstwerk nicht gemacht ist. Sie schließen quasi eine große Gruppe aus, die- Überraschung- meistens aus weißen, männlichen Zuschauern besteht. Ob es ein Weg zur Inklusion ist, eine Gruppe dann ausschließen zu wollen, muss jeder für sich entscheiden. Klar dominierten weiße Darsteller das alte Bild Hollywoods. Da jedoch ihre Sexualität nicht immer Thema war, konnten sich auch Zuschauer mit ihnen identifizieren, da es um Gut gegen Böse ging und deren Sexualität nicht immer thematisiert wurde. Jetzt ist es anders.  


2. Keine Geschichten, sondern eine Message

Erinnert ihr euch noch an die größten Momente von Star Wars? Han Solo in Carbonit eingefroren, Darth Maul entblößt sein doppeltes Laserschwert oder Darth Vader gibt sich als Vater von Luke zu erkennen. Es waren große Szenen, die ikonisch für Star Wars standen. Keiner wird hier eine Szene rezitieren, wo sich ein nonbinärer Charakter über Mansplaining beklagt oder strukturellen Rassismus dafür verantwortlich macht, dass die Galaxie vor die Hunde geht. Als Kind habe ich mit Freunden einige Szenen des Sternenkriegs nachgespielt. Wir düsten mit Fahrrädern durch den Wald und stellten uns vor, wir wären auf Endor mit den Speedbikes unterwegs. Keiner wird eine Szene mit Freunden nachspielen, wo ein paar Leute an einem Tisch sitzen und eine Sache ausdiskutieren. Und ob es mal junge Mädchen gibt, die She- Hulk mögen und ihrem Cousin sagen, dass ja für sie alles unendlich schlimmer ist, weil sie Frauen sind, kann ich jetzt auch mal bezweifeln.


3. Heldenreise und Charakterentwicklung- nö

Nichts ist schöner, als einem jungen Helden dabei zuzusehen, wie er seine Kräfte entdeckt. Als Spider-Man zum ersten Mal an einer Wand hochkrabbelte oder Tony Stark mit seinem Ironman- Anzug in die Luft ging. Diese ersten Ausflüge waren noch von Fehlschlägen geprägt. Auch Rocky hatte seinen ersten Kampf gegen Apollo Creed verloren. Denn manchmal braucht es Niederlagen, um stärker daraus hervorzugehen. Man muss erst lernen, bevor man ein Meister wird. Leider gilt das kaum für die Helden von heute. Gern als Mary- Sue- Charaktere bezeichnet, sind Helden wie Rey kaum auf Fehlschläge angewiesen, um etwas daraus zu lernen. Rey konnte den Milleniumfalken besser fliegen als Han Solo, obwohl sie noch nie in einem Raumschiff saß, sie hat Kylo Ren im Laserschwertduell besiegt, obwohl dieser als Sith ausgebildet war. Das wirkt erzwungen und leider wenig glaubhaft. Auch Fantasy und Science Fiction braucht Regeln. Captain Marvel trifft das gleiche Schicksal. Zwar werden uns in einer Rückblick- Montage gern all ihre Stürze und Niederlagen gezeigt, als Avenger hat sie natürlich keine Fehler mehr. Aus großer Kraft folgt hier großer Erfolg. Zwar relativiert sich das in "The Marvels" wo einer ihrer Einsätze tatsächlich heftige Konsequenzen für einen ganzen Planeten hatte, doch so richtig geht man darauf nicht wirklich ein. So entstehen Helden, die nicht wirklich Vorbilder sind, denn perfekt sind wir alle nicht. 


4. Zu alt für den Scheiß?

Ich erinnere mich, als meine Eltern mal sagten, dass meine Filme und Serien alle doof sind und früher doch alles besser war. Vielleicht bin ich jetzt einfach im selben Alter, in dem man dem modernen Unterhaltungsbrei entwachsen ist. Das wäre doch eine mögliche Erklärung, haben sich doch auch meine Eltern bestimmt dagegen gestäubt, nicht mehr aufnahmefähig für neue Konzepte und innovative Ideen zu sein. Das setzt natürlich voraus, dass die aktuelle Generation dann auch bedingungslos abfeiert, was ihr da so kredenzt wird. Da hätte ich zwar meine Zweifel, aber wenn man sich einmal ansieht, wer sich da in Blogs und Videos über alles beschwert, dann sind sie meistens doch in meinem Alter. Vielleicht heißt das dann, endgültig in der Vergangenheit zu leben und das neue Zeug im Regal zu lassen. Und wenn man ehrlich ist, spricht nichts dagegen, wieder das A-Team oder Star Wars 4-6 zu sehen. Außerdem umfasst die Bibliothek der 80er, 90er und frühen 2000er ja mehr Material, als man jemals komplett gucken könnte. Und wer weiß? Vielleicht ändert sich ja nach ein paar Jahren dann doch nochmal der Zeitgeist zu meinen Gunsten? 


Wie man es also dreht und wendet, es könnte einer der Punkte oder auch alle zusammen sein. Es ändert nichts daran, dass ich mit den neuen Filmen und Serien nicht mehr so richtig warm werde. Meine Helden sind dann doch aus einer anderen Zeit, genau wie ich. Wenn also jene, die das Programm nun bestimmen, Gefallen an Geschichten über Repräsentation, dicke Jedi, LGBTQ+-* Innen und dergleichen haben, dann soll es so sein. Ich kann damit leben, dass meine geliebten Franchises eben nicht mehr für mich gemacht sind. Ich kann jederzeit aussteigen. Ob ich dann jemals wieder einsteige, wird die Zeit zeigen.




Dienstag, 24. Oktober 2023

Comics- 3,2,1, meins

 


"Support your local comic dealer!", heißt der Slogan, der klarmacht, dass der Einzelhandel immer zu unterstützen ist. Und ich halte mich daran. Regelmäßig stolziere ich in den Comic- Krämer meines Vertrauens. Man kennt sich beim Vornamen, ist auf Du und Du. Jede Neuheit und auch manch gebrauchte Rarität wandert von der Auslage in meine Tasche- einen Einkaufskorb gibt es ja nicht.

Doch was, wenn es Lücken in der Sammlung gibt, die dein Shop eben nicht auf der Bestellliste hat? Dann hilft nur noch das Internet. Und was soll ich sagen? Gefunden!

Aber ich kann Entwarnung geben: die Comicshops werden nicht immer durch das Internet umgangen. Ganz im Gegenteil. Hinter vielen Verkäufern, die sich da auf dem online Marktplatz tummeln, verbergen sich tatsächlich Comicshops aus aller Welt. Damit unterstützt man sie ja doch und sorgt dafür, dass mancher Ladenhüter, der bei der Laufkundschaft eher verschmäht wird, doch noch in die Hände eines Liebhabers wandert.


Und so geschah es mir. Aus einer Sektlaune heraus, habe ich im Netz nach Ausgaben der Comicserie "Sigil" geschaut. Zuvor hatte ich bei meinem Comicdealer einen ganzen Schwung Hefte aus dem Cross Gen Label ergattert. Natürlich nicht viel zusammenhängendes Zeug. Schwupps, fand ich aber online schnell die fehlenden Ausgaben. Das Ergebnis ist mehr als ein vollständiger Jahressatz. Preislich lagen die Ausgaben auch auf einem guten Niveau, sodass ich diese Taktik bald auch für den "Psycho Circus" der KISS- Comics ausprobierte. Hier besaß ich drei reguläre Ausgaben, die schnell auf ein gutes Dutzend erweitert werden konnten und somit die fragmentierte Story auf eine komplexes Gesamtbild komplettierten. 

Eine Schatzsuche, die mein Sammlerherz mehr als erfreute. Die Aufregung, wann die Hefte in meinem Briefkasten landen werden, die Überraschung, wie gut alles verpackt wurde. Es ist schön, so tatsächlich mit dem Budget eines Erwachsenen in jene Zeit der Kindheit zurückzukehren und alle Serien aufzuholen, die damals bei schmalem Taschengeld verwehrt blieben. 

EBAY ist somit für mich eine Zeitmaschine in die späten 90er. Auch nicht schlecht.

Donnerstag, 12. Oktober 2023

Blue Beetle- oder, wie ich lernte, Filme im Kino auszulassen

 


Achtung, das wird kein Review! Wie sollte es auch? Ich habe diesen Film, der gefühlt zwei Wochen im Kino lief, nicht gesehen. Vermutlich auch sonst keiner. Warum auch?

Alles, was derzeit unter dem DC Banner so läuft, wird von James Gunn eh zerstört und auf Null gesetzt. Damit haben die letzten Filme, die Warner noch abarbeitet, überhaupt keine Relevanz. Sie sind überflüssig. Sorry, Aquaman.

Vom ganzen Hin und Her über Henry Cavill, der mal als Superman bleibt und jetzt wieder raus ist, bin ich müde. Einst war das Znyderverse cool und genial besetzt. Doch das gehört der Vergangenheit an. Man wollte es Marvel gleichtun und hat sich derart verhoben, dass man die Bandscheiben noch aus 2 Kilometern Entfernung hatte scheppern hören. The Flash war solide, hatte aber CGI am Start, was wie eine schlechte Techdemo eines Sega Dreamcasts aussah und selbst Michael Keaton konnte da nur wenig ausrichten. Zwar war der Streifen doch recht gut geschrieben und besonders Supergirl war ein echtes Highlight, doch das Einspielergebnis machte klar, dass DC ähnlich viel Erfolg hatte, wie ich in meinen früheren Matheprüfungen: guter Wille, viel Arbeit, 6- setzen!

Und jetzt kommt Blue Beetle. Doch was ist dieser Film überhaupt? Ein Neustart für Gunns DC Universum? Oder eine Superheldeneinführung, die gleich wieder zu Grabe getragen wird? Genaues, ob der sympathische Latino- Held nun Canon ist oder nicht, weiß so recht niemand. 

Und noch bevor ich eine Kinokarte hatte lösen können, war der Film schon im Nachmittagsprogramm abgeschoben, sodass berufstätige Menschen keine Chance mehr hatten, ihn zu begutachten.

Der Kreis ist also gebrochen. Nach so vielen Comicfilmen, die ich alle im Kino sah ( Marvel, DC, Hellboy, Turtles), riss die Serie nun ein. Vielleicht ist es besser so, denn irgendwie bereue ich es auch nicht. Und das sagt auf jeden Fall etwas aus...  

Montag, 27. Februar 2023

Phase 5- Neustart oder Weiter so?

 



Mit dem MCU ist es wie mit Silvester: Am Ende steht man da und wünscht sich, dass endlich alles besser oder wenigstens gut wird. Doch nach der unsäglichen Phase 4 hat es Marvel geschafft, dass mich die Filmstarts des Comicriesen kaum noch interessieren. Irgendwo pendele ich zwischen loyaler Pflichterfüllung und selbstbetrügerischem Fan- Dasein. Doch längst sind nicht einmal die Trailer fähig, mich in wohliger Vorfreude zu baden oder mir eine Gänsehaut zu bereiten. Zu generisch, zu viel CGI und zu unambitioniert fährt das Blockbuster- Vehikel durch die Fahrwasser der Mittelmäßigkeit. Da sind übermäßige politische Korrektheit und Woke- Wahn nur die Spitze des Eisberges. Es wirkt, als sei Disney satt. Als hätten wir schon alles gesehen und Marvel alles gezeigt. Von Superheldenmüdigkeit ist da die Rede. Doch ist das so? Gibt es nichts mehr zu sehen? Nichts mehr zu erzählen? Nichts mehr zu fühlen?

Mit Ant-Man 3 stehen alle Zeichen wieder auf Neustart. Neuer Schurke, neue Story und auch ein neuer Plan? Ich hatte mich zumindest ins Kino begeben, um meine Sehgewohnheiten zu pflegen, jene besagte Pflichterfüllung. Und es galt herauszufinden, wieviel von Phase 4 in der 5. Phase steckt. Und mit Ant-Man konnte man bisher auf kleiner Bühne abseits des großen Blockbusters noch jene Zuschauer begeistern, die nicht um das Ende der Welt bangen wollten. Natürlich wirkt Quantumania alles andere als klein. Auch wenn die Handlung im Quantum- Universum spielt, also zwischen zwei Atomen, wirkt alles episch, groß und Endgame- ig. Doch schon der Trailer ließ mich erahnen, dass neben Scott Lang, nicht nur Frau, Schwiegermutter, sondern auch Töchterchen bereit für Heldentaten sind. Oder besser: HeldInnentaten!

Für Scott Lang ( Paul Rudd) also die Möglichkeit, sich hinter noch einer Frau verstecken zu müssen, wenn es darauf ankommt. Doch natürlich kommt es so schlimm nicht. Mit Kang als neuem Schurken könnte Marvel echt was anfangen und die Ant-Man Familie wechselt sich in Dialogen hübsch brav ab, sodass niemand zurückbleiben muss. In der Tat wird der Fokus auf Scott und seine Tochter gelegt. Und ihr Teamwork funktioniert ganz gut. Der Tiefpunkt ist jedoch zum Einen, was man aus Killermaschine M.O.D.O.K. gemacht hat. Hier wurde einfach ein Charakter aus dem Marvelarchiv nicht nur verheizt, sondern auch vollständig lächerlich gemacht. Schade drum. Auch das Übermaß an CGI- Bildern wirkt anders, als in Avatar 2, wenig überwältigend. Es sieht mehr nach Videospiel als wirkliche Filmkulisse aus. So richtig staunen kann man so über den neu zu erobernden Kosmos nicht. "Ant-Man and the Wasp Quantumania" ist per se kein schlechter Film, aber mehr als die gesunde Mitte wird es eben nicht, wenn man wieder nur versucht, es jedem Recht zu machen. 

Montag, 14. November 2022

Phase 4 ist endlich zu Ende!

 


MCU Fans muss es im Augenblick wie einem Schüler ergehen, der mit Ach und Krach ins neue Jahr versetzt worden ist. Immerhin bekamen viele der filmischen und seriellen Leistungen der Marvel Studios keine guten Noten. Schwurbelige Experimente, die Abkehr von der früheren Erfolgsformel und die Konfrontation mit den Fans. Es wurden (fast) alle Helden, die einst für den Erfolg des MCUs verantwortlich waren, abgesetzt, getötet, in Rente geschickt oder auf der Reservebank platziert. Thor wurde ein Idiot, Dr. Strange degradiert und Antman wird nun nach seiner Frau und seiner Tochter die dritte Geige spielen. Es ist das Zeitalter der starken und immer perfekten Frauen. Der männliche Held wurde erfolgreich von seiner Männlichkeit befreit. Jetzt ist es an den Damen, arrogant, unnahbar, unbelehrbar und vor allem unsympathisch zu sein. Da betont eine She- Hulk, dass sie in allem besser ist, als ihr Cousin, der Avenger und nebenbei noch brillante Wissenschaftler! Und klar, ganz ohne Training oder Erfahrung darf sie dann auch von 0 auf 100 in weniger als einer Sekunde. Doch über die grüne Schmach habe ich ja schon an anderer Stelle berichtet.

Mit Wakanda Forever setzt Marvel nun den Schlussstein ihrer 4. Phase, die in so vielen Dingen als gescheitert angesehen werden kann. Nach der Materialschlacht von Endgame wieder kleine Brötchen zu backen, ist natürlich nicht so einfach. Im Zwang, immer höher hinaus zu müssen, war eben die Stratosphäre geküsst worden. Und wer so hoch fliegt, muss eben irgendwann wieder auf die Erde. Doch wie kann man einen Film fortsetzen, in dem der Hauptdarsteller aufgrund eines viel zu verfrühten Ablebens nicht vorkommen kann? Wird man den grandiosen Chadwick Boseman einfach neu besetzen oder ist der schwarze Panther nun eine Persona non grata? Da kommt es wie gerufen, dass Marvel eh mehr auf die holde Fraulichkeit setzt. Es muss demnach Shuri, die Schwester des Panthers ran. Im CGI- Anzug wirkt die agile Dame dann, als würde sie nur 25 Kg auf die Waage bringen, was sie nicht davon abhalten wird, sich mit Gegnern anzulegen, die das Gewicht eines Kleinwagens haben. Das aber eben das Charisma eines Chadwick fehlt, dürfte da nicht überraschen. Was jedoch Marvel hier gelungen ist, kann als cineastischer Trauergottesdienst bezeichnet werden. Mit unglaublich viel Feingefühl widmet man den Film seinem gefallenen Helden und verleiht ihm würdevoll ein Denkmal. So etwas dürfte in der Geschichte des Films einmalig sein. Doch was hat das mit der Phase 4 des MCU zu tun? Richtig, eigentlich nix. Aber das stört wenig, denn einen roten Faden gab es bereits seit Black Widow nicht mehr. Vielmehr glänzten die Filme nun mit Verweisen auf Disneys Streamingwelt. Doctor Strange und sein Multiversum des Wahnsinns setzt Wandavison fort und fortan schlendert Julia Dreyfuss als die undurchsichtige Valentina de Fontaine durch jeden Kinofilm und jede Serie. Wer sie nicht kennt, muss wohl The Falcon and the Wintersoldier verpasst haben. Spätestens jetzt sind jene Zuschauer raus, die kein Disney Plus Abo haben. Aber die haben es ja auch nicht verdient, sich Marvel Fans zu nennen, oder so ähnlich. 

Hatte sich so mancher Kinobesuch zuletzt als Pflichtveranstaltung angefühlt, kann man sich mit Wakanda Forever einigermaßen versöhnen. Klar, dass auch hier nicht alles Gold ist, was glänzt. Allem voran ist da Ironheart Riri Williams, jener Abklatsch von Tony Stark, die mit Macht in eine Geschichte gepresst wurde, in der sie eigentlich nichts zu suchen hat. Aber da ja, rein zufällig, eine Disney Plus Serie mit ihr wartet, versteht man das Kalkül. Bleibt nur die Frage, was uns in Phase 5 erwartet. Es wird wohl wie eine Silvesterparty mit Jahresrückblicken. Man denkt an den Murks der Vergangenheit nach und hofft auf Besserung im neuen Jahr. Und natürlich war nicht alles schlecht. Shang Chi machte richtig Spaß und Spider-Man knackte sämtliche Zuschauerrekorde. Aber das sind wohl nur Beweise dafür, dass auch blinde Hühner mal ein Körnchen finden.   

Montag, 17. Oktober 2022

Ist das Marvel oder kann She- Hulk weg?

 


Es ist schon etwas ärgerlich, wenn man sich anschaut, was aus dem MCU geworden ist. Disney/ Marvel versucht derart von seiner Erfolgsformel zu flüchten, dass man den Misserfolg gerade zu herbeisehnt. Bei der neusten Serie aus dem Streamingdienst der Superheldenhölle wird mit She- Hulk eigentlich eine Figur mit reichlich Potenzial rekrutiert. Dass Marvel verstärkt auf Frauenpower setzt und bei Männern höchstens noch nach "alles-bloß-keine-Weißen" castet, ist dabei noch zu verschmerzen. Tatsächlich war der weiße Mann mittleren Alters derart überpräsent, dass Abwechslung gar nicht verkehrt ist. Und die weiblichen Helden haben viel zu bieten: galaktische Kriegerinnen; Spione und wütende Gammafrauen! Was kann da schiefgehen? Leider so ziemlich alles. Die negativen Stimmen ertönten bereits beim Trailer der Serie She- Hulk. Da war das ganze Elend höchstens zu erahnen. Vom Twerken oder dem verpatzten Finale war da zumindest noch keine Spur. Doch allein die Spezialeffekte wirkten, als hätte sich Disney/Marvel eine Hulkin bei Wish bestellt. 

Eine Anwaltscomedy mit Superheldeneinschlag hätte dabei gar nicht schlecht sein können und gelegentliche Durchbrüche der vierten Wand sind bei Comichelden nicht unüblich. Mit Hauptdarstellerin Tatjana Maslani hat man sich auch ein gutes Talent gesichert. Spätestens seit Orphan Black weiß man um ihre Wandelbarkeit. Doch diesmal überwiegen leider die negativen Aspekte der Live-Action-Serie Nummer 7 aus dem Marvel Kosmos. Eine Story gibt es quasi nicht. Unsere Hulkin hat zwar am Anfang so etwas wie eine Entstehung mit Bruce Banner als Mentor. Der wird jedoch schnell abgewatscht, da er ja am Ende des Tages einer von diesen Männern ist. Dass Bruce ein guter Wissenschaftler ist und zu den hellsten Köpfen des Marvel- Kosmos zählt ist da genauso egal, wie die Tatsache, dass er als Hulk so ein klein wenig Erfahrung hat. Derartige Expertise ist aber unnötig, da ja She- Hulk alles weiß und alles kann. Sie zeigt dem Hulk auch gleich, dass sie im Yoga, der Selbstkontrolle und dem Erzeugen von Schallwellen einfach besser ist- ganz, wie es sich eben für einen echten Mary Sue Charakter gehört. Die nächsten Männer in der Serie wollen sie auch gleich vergewaltigen, ausrauben oder beruflich an der kurzen Leine. Das Männer furchtbar sind, erzählt jedoch so ziemlich jede Franchise neuerdings unentwegt, sei es nun Star Wars oder das MCU. 

Dabei sind so manche Einblicke in Jennifer Walters Psyche doch ganz interessant. Bis sie natürlich gegen den Zwang rebelliert, sich in She- Hulk zu verwandeln. Das wäre ok, würde sie die grüne Gammafrau nicht selbst bevorzugt einsetzen, um sich selbst einen Vorteil zu verschaffen. Bei der Hochzeit ihrer Freundin oder mit einer Dating-App zum Beispiel. Man hätte von einer Anwältin etwas mehr Selbstbewusstsein erwarten können. Doch sowohl der Heldenalltag als auch ihre Arbeit als Anwältin bleiben auf der Strecke. Ihre juristischen Fälle werden von Scharlatanen und Idioten- kurz Männern dominiert, die entweder unfähig, faul oder feige sind. Ein Heiratsschwindler der unsterblich ist und sich mit Scheintoden aus den Klauen der Exfrauen entziehen möchte, ein Möchtegern Zauberer mit geklautem Slingring oder ein Frosch- Held der seinen Ausstatter verklagt und anschließend entführt. Die Fälle werden dann im Gericht superschnell abgehandelt, ehe Jennifer sich dann endlich in einer Bar dem gepflegten Suff hingeben kann. Das ist auch besser so, da sie zur Lösung der Streitfälle weder recherchiert, noch sonstige Arbeit leistet. Und wenn man kurz davor ist, zu erkennen, dass die Autoren kein Plädoyer schreiben können, bricht einfach eine Schurkin durch die Wand und stört die Verhandlung. Warum? Das wird nicht erklärt. Wozu auch? 

Die letzte Folge hat dann leider weder versucht, die losen Handlungsfäden sinnbringend zu verknüpfen, noch überhaupt einen Konflikt zu lösen. Es wirkte wie der Trotz der Macher, dass jede Kritik vergebens ist und eigentlich auch alles egal ist. Statt die Autoren hier eine gute Geschichte auffahren, neigen sie nur dazu, dem Zuschauer den grünen Stinkefinger zu zeigen. Ist She- Hulk also eine Serie für Fans oder eine Abrechnung mit den Fans? Das einzige, was jedenfalls toxisch ist und gecancelt gehört, ist diese Serie und seine Autor:Innen!