Es ist schwer, dieser Tage noch Begeisterung für etwas aufzubauen, was man aus Kindheitstagen kennt. Die Neue Star Wars Serie zum Beispiel: was man darüber hört und liest, bestätigt meine Befürchtungen, dass es mit unserer Unterhaltungswelt eine Richtung annimmt, die nicht mehr für mich gemacht ist. Doch fassen wir die Probleme in ein paar Punkten zusammen.
1. Inhalte sind nur noch für wenige gemacht
Das ist einfach zu erklären. Wenn ich künftig nur noch Figuren aus ethnischen Minderheiten präsentiere, die auch noch der LGBTQ Community angehören, ist das schön, für jene, die diesen Kreisen angehören, dem Rest fehlt es an Identifikation. Dumm ist dann nur, dass die Medienmacher bewusst eine Minderheit ansprechen, dann aber erwarten, dass die Mehrheit geschlossen zusieht. Diese Rechnung geht dann natürlich nicht auf, was sich dann in den Zuschauerzahlen widerspiegelt. Kriminell wird es dann erst recht, wenn die Macher eines Films oder einer Serie bereits im Vorfeld sagen, für wen ihr Kunstwerk nicht gemacht ist. Sie schließen quasi eine große Gruppe aus, die- Überraschung- meistens aus weißen, männlichen Zuschauern besteht. Ob es ein Weg zur Inklusion ist, eine Gruppe dann ausschließen zu wollen, muss jeder für sich entscheiden. Klar dominierten weiße Darsteller das alte Bild Hollywoods. Da jedoch ihre Sexualität nicht immer Thema war, konnten sich auch Zuschauer mit ihnen identifizieren, da es um Gut gegen Böse ging und deren Sexualität nicht immer thematisiert wurde. Jetzt ist es anders.
2. Keine Geschichten, sondern eine Message
Erinnert ihr euch noch an die größten Momente von Star Wars? Han Solo in Carbonit eingefroren, Darth Maul entblößt sein doppeltes Laserschwert oder Darth Vader gibt sich als Vater von Luke zu erkennen. Es waren große Szenen, die ikonisch für Star Wars standen. Keiner wird hier eine Szene rezitieren, wo sich ein nonbinärer Charakter über Mansplaining beklagt oder strukturellen Rassismus dafür verantwortlich macht, dass die Galaxie vor die Hunde geht. Als Kind habe ich mit Freunden einige Szenen des Sternenkriegs nachgespielt. Wir düsten mit Fahrrädern durch den Wald und stellten uns vor, wir wären auf Endor mit den Speedbikes unterwegs. Keiner wird eine Szene mit Freunden nachspielen, wo ein paar Leute an einem Tisch sitzen und eine Sache ausdiskutieren. Und ob es mal junge Mädchen gibt, die She- Hulk mögen und ihrem Cousin sagen, dass ja für sie alles unendlich schlimmer ist, weil sie Frauen sind, kann ich jetzt auch mal bezweifeln.
3. Heldenreise und Charakterentwicklung- nö
Nichts ist schöner, als einem jungen Helden dabei zuzusehen, wie er seine Kräfte entdeckt. Als Spider-Man zum ersten Mal an einer Wand hochkrabbelte oder Tony Stark mit seinem Ironman- Anzug in die Luft ging. Diese ersten Ausflüge waren noch von Fehlschlägen geprägt. Auch Rocky hatte seinen ersten Kampf gegen Apollo Creed verloren. Denn manchmal braucht es Niederlagen, um stärker daraus hervorzugehen. Man muss erst lernen, bevor man ein Meister wird. Leider gilt das kaum für die Helden von heute. Gern als Mary- Sue- Charaktere bezeichnet, sind Helden wie Rey kaum auf Fehlschläge angewiesen, um etwas daraus zu lernen. Rey konnte den Milleniumfalken besser fliegen als Han Solo, obwohl sie noch nie in einem Raumschiff saß, sie hat Kylo Ren im Laserschwertduell besiegt, obwohl dieser als Sith ausgebildet war. Das wirkt erzwungen und leider wenig glaubhaft. Auch Fantasy und Science Fiction braucht Regeln. Captain Marvel trifft das gleiche Schicksal. Zwar werden uns in einer Rückblick- Montage gern all ihre Stürze und Niederlagen gezeigt, als Avenger hat sie natürlich keine Fehler mehr. Aus großer Kraft folgt hier großer Erfolg. Zwar relativiert sich das in "The Marvels" wo einer ihrer Einsätze tatsächlich heftige Konsequenzen für einen ganzen Planeten hatte, doch so richtig geht man darauf nicht wirklich ein. So entstehen Helden, die nicht wirklich Vorbilder sind, denn perfekt sind wir alle nicht.
4. Zu alt für den Scheiß?
Ich erinnere mich, als meine Eltern mal sagten, dass meine Filme und Serien alle doof sind und früher doch alles besser war. Vielleicht bin ich jetzt einfach im selben Alter, in dem man dem modernen Unterhaltungsbrei entwachsen ist. Das wäre doch eine mögliche Erklärung, haben sich doch auch meine Eltern bestimmt dagegen gestäubt, nicht mehr aufnahmefähig für neue Konzepte und innovative Ideen zu sein. Das setzt natürlich voraus, dass die aktuelle Generation dann auch bedingungslos abfeiert, was ihr da so kredenzt wird. Da hätte ich zwar meine Zweifel, aber wenn man sich einmal ansieht, wer sich da in Blogs und Videos über alles beschwert, dann sind sie meistens doch in meinem Alter. Vielleicht heißt das dann, endgültig in der Vergangenheit zu leben und das neue Zeug im Regal zu lassen. Und wenn man ehrlich ist, spricht nichts dagegen, wieder das A-Team oder Star Wars 4-6 zu sehen. Außerdem umfasst die Bibliothek der 80er, 90er und frühen 2000er ja mehr Material, als man jemals komplett gucken könnte. Und wer weiß? Vielleicht ändert sich ja nach ein paar Jahren dann doch nochmal der Zeitgeist zu meinen Gunsten?
Wie man es also dreht und wendet, es könnte einer der Punkte oder auch alle zusammen sein. Es ändert nichts daran, dass ich mit den neuen Filmen und Serien nicht mehr so richtig warm werde. Meine Helden sind dann doch aus einer anderen Zeit, genau wie ich. Wenn also jene, die das Programm nun bestimmen, Gefallen an Geschichten über Repräsentation, dicke Jedi, LGBTQ+-* Innen und dergleichen haben, dann soll es so sein. Ich kann damit leben, dass meine geliebten Franchises eben nicht mehr für mich gemacht sind. Ich kann jederzeit aussteigen. Ob ich dann jemals wieder einsteige, wird die Zeit zeigen.