Tja, werden jetzt einige denken: das war's dann wohl mit den geliebten
X-Men! Nach
Dark Phoenix ist dann wohl Schluss. Wir sehen uns alle im
MCU wieder. Doch ist das wirklich so schlimm? Zeit, einmal genauer in fast 20 Jahre Filmgeschichte zu schauen, um zu sehen, wie toll die
X-Men Filme tatsächlich waren.
X-Men 1 und
2, die
Bryan Singer Jahre:
Die ersten beiden Teile machten alles richtig. Gute Besetzung als Voraussetzung und eine spannende Story. Vor allem Teil 2 konnte durch eine geniale Eröffnungssequenz im Weißen Haus gut überzeugen und setzte
Wolverine gekonnt in Szene. Der Showdown am Stausee war spannend und gut gemacht. Es gab nichts zu meckern. Singer, der sich als homosexuell outete, sah in den ausgestoßenen Mutanten viele Parallelen zur Homophobie und Diskriminierung und nutzte sein Herzblut, um Comicfilme zu schaffen, ohne die es ein
MCU vielleicht nicht gegeben hätte.
X-Men 3 The Last Stand: The last Shit sollte man sagen. Regisseur
Brett Ratner hat es geschafft, zu zerstören, was ihm zuvor aufgebaut wurde. Da kommen Erinnerungen an den Amtsantritt von Donald Trump hoch. Er verheizt wichtige
X-Men, nur, um unwichtigen Nebenfiguren Platz zu machen. Warum? Am Ende sind alle tot und alle unglücklich über diesen Film. Eine Fortsetzung scheint hier jedenfalls kaum vorstellbar. Die
Dark Phoenix Saga wurde als Nebenhandlung abgefrühstückt und
Magnetos Bruderschaft sieht wie ein Ferienlager aus. Irgendwie fehlen hier große Namen aus den Comics. Im Showdown steht dann die schwächste X-Truppe bereit, statt auf das alte Team der Vorgänger zu setzen.
X-Men Origins: Wolverine: Ja, was wird denn das? Etwa eine Erweiterung des Filmuniversums mit Spinoffs?
Origins- Filme, die denen einen Einzelfilm geben, die bisher zu kurz gekommen sind? Das wäre es ja gewesen. Nur hat man Publikumsliebling
Wolverine ausgekoppelt, der ohnehin in allen
X-Men Filmen überpräsent war. Was folgte, war ein seltsamer Trip durch die Vergangenheit, ein schneller
Waffe X- Aufwasch und eine Militärtruppe aus Mutanten, die keiner kennt.
Deadpool wird verheizt und wirkt, als hätten die Autoren noch nie von dieser Figur gehört.
Gambit wirkt als Notlösung eingefügt, ohne, dass man das Potenzial richtig nutzt. Am Ende, hätte es den Film nicht gebraucht. Schade hoch 2! Warum keine
Storm Origin? Oder
Colossus? Oder
Nightcrawler? Oder
Cyclops? Warum ausgerechnet
Wolverine? Ach ja, richtig: weil Geld und so.
X-Men First Class: Fassen wir zusammen- die letzten beiden Filme waren erfolglose Nieten. Was tun? Richtig! Weitermachen und
rebooten. Und zwar so, wie es sich gehört: mit vielen Widersprüchen in der Kontinuität und wie man es zuvor schon mit
Wolverine versemmelt hat. Zwei verschiedene
Sabertooths waren kein Problem. Also machen wir den zweiten
Toad und erfinden
Mystique,
Magneto,
Xavier und
Beast neu. Natürlich gut besetzt, aber ohne auf die Vorgängerfilme zu achten oder auf die zeitlichen Abstände. Immerhin müsste
James McAvoy zu
Patrick Steward altern. Das klappt natürlich hinten und vorne nicht, ist aber egal.
Kevin Bacon als
Sebastian Shaw ist cool, sieht aber im
Magnetohelm aus, als hätte er eine Schweinenase.
Wolverine: Weg des Kriegers: Hat man mit
First Class also das
X-Men Universum neu gestartet, hält man dennoch an
Hugh Jackmans Wolverine fest. Ist er ja das Zugpferd der gesamten Franchise. So erzählt man fröhlich nach
X-Men Teil 3 weiter und wird nicht müde auf
Logans Liebe zu
Jean Grey herum zu reiten. Für meinen Geschmack zu oft. Trotzdem macht der Film Spaß und hat eine tolle Optik. In Japan zeigt
Wolverine, dass er auch ohne Selbstheilung ein Kämpfer ist, den man nicht einfach töten kann. Das ist cool und stellt mich nach dem ersten
Wolverinefilm versöhnlich ein.
X-Men Days of Future Past: Nach Teil 1 und 2 endlich wieder ein guter Film und zwar der beste der gesamten Reihe! Durch Zeitreise und eine gute Vorlage verbindet man alte
X-Men und Neue zu einem Gesamtuniversum und mittendrin
Wolverine! Ja, auf den mag man eben nicht verzichten. Dafür stimmt hier einfach alles!
Quicksilver sorgt für eine coole Küchenszene,
Xavier und
Magneto werden wieder genauer beleuchtet und das
Sentinelprogramm sieht beeindruckend aus. Kurzum: ein klasse Film. Es hat allerdings 4 Filme gebraucht, bis man etwas wirklich großartiges hingezaubert hat! Der längere
Rogue- Cut lohnte sich ebenfalls und erweitert den Film sinnvoll, ohne zu lang zu wirken.
Deadpool: Ja, das ist ein Film des
X-Men Universums und was für einer!
Ryan Reynolds macht gut, was mit
Deadpool in der Vergangenheit schief lief und erfindet den Charakter neu, den er mundlos in
X-Men Origins: Wolverine verkörperte. Das Kostüm stimmt, die Sprüche stimmen und überhaupt ist das zu Recht der beste
Marvelfilm des Jahres gewesen- dem
MCU zum Trotz! Durch einen besseren
Colossus, als in den X-Men Filmen zuvor und
Negasonic Teenage Warhead wird die Verbindung zu den Marvelmutanten nochmals deutlich gemacht.
X-Men Apocalypse: Jetzt sollte er kommen! Der größte Schurke der
X-Men. Der erste aller Mutanten. Ein Schauspieler im quietschenden Plastikkostüm. Wirklich? Warum nicht animiert? Das wäre bei dem Budget drin gewesen und hätte deutlich mehr her gemacht. Aber so?
Apocalypse ist eine Parodie des eigentlichen Schurken, die Filmemacher setzten zu viel auf
Mystique, bloß weil das
Jennifer Lawrence ist und werfen einfach mal alle Charaktere in einen Topf. Wird schon gehen. Ging aber nicht. Jedenfalls nicht wirklich. Nach
Days of Future Past kam hier ein wirklich schwacher Trost, der mit
Marvels Avengers einfach nicht mithalten konnte.
Logan: Nach fast 20 Jahren wollte auch
Hugh Jackman nicht mehr. Mit
Logan sollte die
Wolverinereihe abgeschlossen werden und für
Cameos steht er nun auch nicht mehr zur Verfügung.
Logan war dreckig, düster und ein Western der alten Schule. Kurzum: ein riskantes Machwerk, dass durch seine Individualität mit dem Einheitsbrei der Superheldenfilme aufräumte. Am Ende fand
Wolverine sein heldenhaftes Ende.
Der Beweis, dass es eben doch geht, wenn man sich was traut.
Deadpool 2: Das war ja klar! Nach dem echt geilen ersten Teil, kam die noch viel geilere Fortsetzung! Noch mehr
Deadpool noch mehr
X-Men, noch mehr Spaß! Auftritt:
Cable!
Josh Brolin als mürrischer Zeitreisemutant auf der Jagd nach dem Mörder seiner Familie.
Domino wird vorgestellt und bekommt soviel Potenzial in die Hand, dass es für einen eigenen Film reichen würde. Der
Juggernaut sieht genial aus und auch sonst stimmt hier einfach alles. Wie machen die das bloß?
X-Men Dark Phoenix: Und dann das! Sieht so ein Ende aus? Wo bleibt der traurige Abschied, das gewisse etwas und warum schon wieder
Dark Phoenix? Hat ja davor schon nicht wirklich geklappt. Klar, ist der Film nicht so schlecht, aber eben auch kein guter Film. Kein
Days of Future Past und kein
Endgame. Der Film wirkt, als musste man ihn machen, weil man keine Wahl hatte. Lichtblick blieb
Michael Fassbender als
Magneto. Der war das coolste im Film und vielleicht noch mehr Badass als
Wolverine. Doch der kam hier zum Glück auch nicht vor. Aber warum nicht? Warum kein Abschied von allen Darstellern, die die
X-Men in all den Jahren begleitet haben?
Fazit: Ja, die
X-Men sind meine Helden aus der Kindheit und es gibt viele Filme. Rückblickend waren aber mehr schlechte als gute dabei. Warum also traurig sein?
Marvel kann es nur besser machen. Und ich glaube daran, dass man noch viele Geschichten erzählen kann. Nur bitte: die nächsten Jahre nichts mit
Dark Phoenix!
Kevin Feige traue ich zu, mehr auf Kontinuität zu achten und mehr für Nebenfiguren zu tun. Die Besetzung wird interessant werden und mit der Verbindung zum
MCU werden Gruppierungen möglich sein, von denen ich seit meinem 14. Lebensjahr geträumt habe.