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Mittwoch, 6. November 2024

Agatha all along long le long long long


Zusammengefasst, könnte man sagen, dass hier eine Serie zu einer Nebenfigur aus einer Serie über eine Nebenfigur vorliegt und damit hätte man Recht. Statt uns also Marvel Helden zu präsentieren, die einen gewissen Bekanntheitsgrad genießen, werden in letzter Zeit mit "Madame Web"; "Echo" und "Mrs. Marvel" eher Charaktere aufgetischt, die selbst unter Comicfans nicht unbedingt geläufig sind und in einem "Wie- heißt- dieser- Charakter- Quiz" für manche Kopfnuss sorgen.

Klar, die erste Reihe an Figuren, wie den Avengers oder den X-Men sind einmal komplett auserzählt und man schaut sich nach Alternativen um, die unverbraucht sind. Das ergibt viele Freiheiten, wie man ja bei den Guardians of the Galaxy eindrucksvoll sehen konnte.

Nach Agatha Harkness hat jetzt vermutlich niemand gelechzt auch wenn sie in "Wandavision" durchaus unterhaltsam war. Aber eben nur als Antagonist, austauschbar und schnell erledigt. Dass sie eine eigene Serie tragen würde und etwas eigenständiges zu erzählen hat, war erstmal zu bezweifeln.

In ihrer eigenen Serie muss dann schon etwas mehr passieren, um das Interesse zu wecken. So muss Agatha nicht nur einen Sidekick beschützen und einen Hexenzirkel durch den Hexenweg bugsieren, sondern muss auch vor 7 toten Hexen und tödlichen Prüfungen Acht geben. Das Setting wirkt dadurch nach einer harmlosen Geisterbahn in Disneyland und der Halloween Deko eines ziemlich reichen und exzentrischen Haushaltes. Das hier ausschließlich im Studio gedreht wurde, sieht man der Serie dann leider an, die viel zu oft in kleinen Räumen spielt. Zu jeder Prüfung dürfen die zauberhaften Damen dann in lustige Outfits schlüpfen, die an das Zapping durch Wandavisions Comedykanal erinnern.

Fängt die erste Folge noch wie eine Kriminalgeschichte an, ist bereits nach 30 Minuten nichts mehr davon übrig. Wanda taucht hier nur als Andeutung, nicht einmal als Gast auf. Dazu hätte es Rückblenden geben können oder man hätte sie als Leiche im Wald gezeigt. Ist der gute Anfang vorbei, wirkt alles wie eine Mischung aus Videospiel und Escaperoom. Wer löst das Rätsel? Wer überlebt bis zum nächsten Raum? Das ist mitunter zwar spannend, aber zu erzählen gibt es nichts. Agathas Herkunft bleibt vage angedeutet und die Mythologie der Hexen beschränkt sich auf ein paar Klischees. 

Am Ende ist die Serie das, was bisher meistens bei Disneyplus Content herauskommt. Es war okay aber es führt uns nicht wirklich weiter im MCU. Auch hier gilt, dass man die Serie gucken kann, da sie so schlecht nicht ist aber auf ein zweites Mal Schauen, würde ich mich hier nicht unbedingt freuen.


Freitag, 13. September 2024

Zum Crow-tzen!

 


Mit der Krähe und mir ist es so eine Sache. Es war irgendwann in den Neunzigern: als Teenie habe ich mir die Soundtrack CD des Films "The Crow" von 1994 geholt. Sie war auch recht teuer, aber auch ohne den Film zu kennen, habe ich mich sofort zu dieser Musikscheibe hingezogen gefühlt. Es ist einfach passiert. Gut ein bis 2 Jahre später, meine Eltern fuhren in die heimische Videothek und ich durfte mir auch einen Film aussuchen. Meine Wahl fiel auf eben diesen Film mit Brandon Lee. Von seinem tragischen Tod wusste ich damals noch nichts nichts. Videokassetten hatten noch keine Making of- Dokumentationen als Extras und das Internet gab es quasi noch nicht. Der Film faszinierte mich derart, dass ich seitdem ein großer Fan wurde und es heute noch bin. Sieht man von "City of Angels" ab, sind die Fortsetzungen recht "meh" und sogar der trashigen Serie konnte ich irgendwie etwas gutes abgewinnen, obwohl ich damit wohl recht allein stand.

Ein Tattoo von Eric Draven ziert sogar meinen rechten Oberarm, was ich bis heute nicht bereue. Um so neugieriger wurde ich, als immer wieder von einem Remakes des Originals die Rede war. Kann das wirklich funktionieren? Da war von Jason Momoa die Rede, der dann auch wieder absprang und Bill Skarsgard Platz machte. Nach dessen Leistung als Pennywise vielleicht keine dumme Entscheidung- so dachte ich.

Nach dem Verschleiß einiger Regisseure wurde es ruhiger um das scheinbar verfluchte Projekt. Ganze 15 Jahre hatte man für die Neuverfilmung gekämpft. Ein Einsatz, der mich glauben ließ, dass dort echte Liebhaber am Werk waren, die es echt wissen wollten- so dachte ich.

Über Eric Dravens Look kann man streiten. Ob er auch mal als Tattoo auf meinen Arm kommt? Wohl eher nicht. Die Kritiken waren sich ja alle gleichermaßen einig, den schlechtesten aller Filme vor sich zu haben. Hat das meine Lieblingsgeschichte verdient? Werde ich trotzdem ins Kino gehen? Ich weiß es nicht. Zu groß ist die Angst, das die Mythologie des Originals ernsthaft Schaden nimmt. Oder aber auch gerade deswegen nicht. Denn auch hier sind sich alle einig: das Original ist weiterhin ein zeitloser Klassiker. Und seine schlechten Fortsetzungen haben ja auch keinen Schaden anrichten können.

Sollte ich dennoch den Mut aufbringen, dem Film die Chance zu geben, die er scheinbar nicht verdient, werde ich gern meine Wertung abgeben. Aber ich glaube, dass das Fazit schon jetzt feststeht. Und das ist schade.

Sollte es dennoch anders kommen, werde ich gleich nach dem Film einen Tattoo Termin vereinbaren.




Donnerstag, 15. August 2024

Poolverine

 


Während der Lack des MCUs in letzter Zeit schon etwas am bröseln ist, lagen meine Hoffnungen im dritten Teil der Deadpool- Reihe. Aber, kann Wade Wilson innerhalb von Disney/Marvel funktionieren? Mit der Aussicht auf ein Teamup mit Wolverine war die Vorfreude noch größer. Hat man doch Hugh Jackman aus der Logan- Rente geholt und zurück ins Fitnessstudio geschickt.  Aber in Anbetracht der letzten Kinoereignisse ( Guardians of the Galaxy Vol. 3 einmal ausgenommen) schwang trotzdem ein leicht mulmiges Gefühl mit. Denn von Ant-Man bis The Marvels, war der Popcorneimer ehr zum Brechen da.

Doch zum Glück ist Ryan Reynolds ein Mann der Überzeugung und getreu dem Motto "Ganz oder gar nicht" hat der seinen Söldner mit der großen Klappe auf Disney losgelassen.

Und das hat sich gelohnt. Nicht nur schlägt der Film ein wie eine Bombe und konnte sogar die Milliarde knacken, er hat außerdem neue Begeisterung für Superheldenfilme erzeugt oder totgeglaubte wiederbelebt. Man zwängte Wolverine ins längst überfällige gelbe Outfit und brachte sogar N'SYNC wieder ins Gespräch. 

Auch mit dem Konzept des Multiversums wurde wieder herumgespielt und das diesmal unterhaltsamer, als im zweiten Dr. Strange. Doch so richtig im MCU ist Pool nicht angekommen, sondern eher in einer sicheren Zone, wo er vermutlich wenig bis gar keinen Schaden anrichten kann. Sein Universum ist als filmische Gummizelle zu verstehen, in der Wade Wilson zwar tun und lassen kann, was er will, in das 616 Universum unserer MCU Avengers darf er dennoch nicht. 

Was ein wenig nach Reservebank anmutet, gibt Ryan Reynolds dafür aber genügend Narrenfreiheit, Disney bei jeder Gelegenheit zu piesacken und so nebenbei auch noch den pre MCU Filmen mit Marvel- Lizenz einen hübschen Schlussstein zu setzen. Dabei wirkt es natürlich nicht nur nach einem "Memberberry- Kuchen" in dem unzählige "Kennste; kennste, wah?!" Momente und Figuren ihr Stelldichein geben, sondern es gibt auch versöhnliche Momente mit längst eingestampften Franchises zu feiern. 

Sicher ist Deadpool 3 kein Meisterwerk des Erzählkinos aber das hatte eh niemand vorausgesetzt. Der rote Söldner hat abgeliefert und geschafft, was Disney Plus schon seit einiger Zeit zerstört hat: das Interesse an Superhelden.

Danke Deadpool!

 



Montag, 17. Juni 2024

Schöne neue Kino- und Serienwelt




Es ist schwer, dieser Tage noch Begeisterung für etwas aufzubauen, was man aus Kindheitstagen kennt. Die Neue Star Wars Serie zum Beispiel: was man darüber hört und liest, bestätigt meine Befürchtungen, dass es mit unserer Unterhaltungswelt eine Richtung annimmt, die nicht mehr für mich gemacht ist. Doch fassen wir die Probleme in ein paar Punkten zusammen.


1. Inhalte sind nur noch für wenige gemacht

Das ist einfach zu erklären. Wenn ich künftig nur noch Figuren aus ethnischen Minderheiten präsentiere, die auch noch der LGBTQ Community angehören, ist das schön, für jene, die diesen Kreisen angehören, dem Rest fehlt es an Identifikation. Dumm ist dann nur, dass die Medienmacher bewusst eine Minderheit ansprechen, dann aber erwarten, dass die Mehrheit geschlossen zusieht. Diese Rechnung geht dann natürlich nicht auf, was sich dann in den Zuschauerzahlen widerspiegelt. Kriminell wird es dann erst recht, wenn die Macher eines Films oder einer Serie bereits im Vorfeld sagen, für wen ihr Kunstwerk nicht gemacht ist. Sie schließen quasi eine große Gruppe aus, die- Überraschung- meistens aus weißen, männlichen Zuschauern besteht. Ob es ein Weg zur Inklusion ist, eine Gruppe dann ausschließen zu wollen, muss jeder für sich entscheiden. Klar dominierten weiße Darsteller das alte Bild Hollywoods. Da jedoch ihre Sexualität nicht immer Thema war, konnten sich auch Zuschauer mit ihnen identifizieren, da es um Gut gegen Böse ging und deren Sexualität nicht immer thematisiert wurde. Jetzt ist es anders.  


2. Keine Geschichten, sondern eine Message

Erinnert ihr euch noch an die größten Momente von Star Wars? Han Solo in Carbonit eingefroren, Darth Maul entblößt sein doppeltes Laserschwert oder Darth Vader gibt sich als Vater von Luke zu erkennen. Es waren große Szenen, die ikonisch für Star Wars standen. Keiner wird hier eine Szene rezitieren, wo sich ein nonbinärer Charakter über Mansplaining beklagt oder strukturellen Rassismus dafür verantwortlich macht, dass die Galaxie vor die Hunde geht. Als Kind habe ich mit Freunden einige Szenen des Sternenkriegs nachgespielt. Wir düsten mit Fahrrädern durch den Wald und stellten uns vor, wir wären auf Endor mit den Speedbikes unterwegs. Keiner wird eine Szene mit Freunden nachspielen, wo ein paar Leute an einem Tisch sitzen und eine Sache ausdiskutieren. Und ob es mal junge Mädchen gibt, die She- Hulk mögen und ihrem Cousin sagen, dass ja für sie alles unendlich schlimmer ist, weil sie Frauen sind, kann ich jetzt auch mal bezweifeln.


3. Heldenreise und Charakterentwicklung- nö

Nichts ist schöner, als einem jungen Helden dabei zuzusehen, wie er seine Kräfte entdeckt. Als Spider-Man zum ersten Mal an einer Wand hochkrabbelte oder Tony Stark mit seinem Ironman- Anzug in die Luft ging. Diese ersten Ausflüge waren noch von Fehlschlägen geprägt. Auch Rocky hatte seinen ersten Kampf gegen Apollo Creed verloren. Denn manchmal braucht es Niederlagen, um stärker daraus hervorzugehen. Man muss erst lernen, bevor man ein Meister wird. Leider gilt das kaum für die Helden von heute. Gern als Mary- Sue- Charaktere bezeichnet, sind Helden wie Rey kaum auf Fehlschläge angewiesen, um etwas daraus zu lernen. Rey konnte den Milleniumfalken besser fliegen als Han Solo, obwohl sie noch nie in einem Raumschiff saß, sie hat Kylo Ren im Laserschwertduell besiegt, obwohl dieser als Sith ausgebildet war. Das wirkt erzwungen und leider wenig glaubhaft. Auch Fantasy und Science Fiction braucht Regeln. Captain Marvel trifft das gleiche Schicksal. Zwar werden uns in einer Rückblick- Montage gern all ihre Stürze und Niederlagen gezeigt, als Avenger hat sie natürlich keine Fehler mehr. Aus großer Kraft folgt hier großer Erfolg. Zwar relativiert sich das in "The Marvels" wo einer ihrer Einsätze tatsächlich heftige Konsequenzen für einen ganzen Planeten hatte, doch so richtig geht man darauf nicht wirklich ein. So entstehen Helden, die nicht wirklich Vorbilder sind, denn perfekt sind wir alle nicht. 


4. Zu alt für den Scheiß?

Ich erinnere mich, als meine Eltern mal sagten, dass meine Filme und Serien alle doof sind und früher doch alles besser war. Vielleicht bin ich jetzt einfach im selben Alter, in dem man dem modernen Unterhaltungsbrei entwachsen ist. Das wäre doch eine mögliche Erklärung, haben sich doch auch meine Eltern bestimmt dagegen gestäubt, nicht mehr aufnahmefähig für neue Konzepte und innovative Ideen zu sein. Das setzt natürlich voraus, dass die aktuelle Generation dann auch bedingungslos abfeiert, was ihr da so kredenzt wird. Da hätte ich zwar meine Zweifel, aber wenn man sich einmal ansieht, wer sich da in Blogs und Videos über alles beschwert, dann sind sie meistens doch in meinem Alter. Vielleicht heißt das dann, endgültig in der Vergangenheit zu leben und das neue Zeug im Regal zu lassen. Und wenn man ehrlich ist, spricht nichts dagegen, wieder das A-Team oder Star Wars 4-6 zu sehen. Außerdem umfasst die Bibliothek der 80er, 90er und frühen 2000er ja mehr Material, als man jemals komplett gucken könnte. Und wer weiß? Vielleicht ändert sich ja nach ein paar Jahren dann doch nochmal der Zeitgeist zu meinen Gunsten? 


Wie man es also dreht und wendet, es könnte einer der Punkte oder auch alle zusammen sein. Es ändert nichts daran, dass ich mit den neuen Filmen und Serien nicht mehr so richtig warm werde. Meine Helden sind dann doch aus einer anderen Zeit, genau wie ich. Wenn also jene, die das Programm nun bestimmen, Gefallen an Geschichten über Repräsentation, dicke Jedi, LGBTQ+-* Innen und dergleichen haben, dann soll es so sein. Ich kann damit leben, dass meine geliebten Franchises eben nicht mehr für mich gemacht sind. Ich kann jederzeit aussteigen. Ob ich dann jemals wieder einsteige, wird die Zeit zeigen.